Hier finden Sie eine Auswahl häufig gestellter Fragen.

Einmal jährlich. Nur so können Klaviere ihren Klang voll entfalten. Auch geübte Spieler mit einem guten Gehör gewöhnen sich leider an kleinere Verstimmungen. So bezeichnen manche Spieler ihr Klavier immer noch als "gestimmt", obwohl dieses seit drei Jahren nicht mehr gestimmt wurde. Nach einer neuen Stimmung jedoch werden Sie Ohren machen: Ihr Klavier wird sich für Sie viel besser anhören, auch wenn Sie nicht genau sagen können, woran es eigentlich liegt. Steht Ihr Klavier auf einer Fußbodenheizung, sollten Sie es zweimal im Jahr stimmen lassen. Im professionellen Bereich werden Klaviere übrigens vor jedem Konzert gestimmt, auch wenn die letzte Stimmung vor einer Woche erfolgte.
Aus zwei Gründen. Erstens durch Klima- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen. Im Sommer ist die Luft wesentlich feuchter als die trockene Heizungsluft im Winter. Auch direkte Sonneneinstrahlung sorgt für zum Teil extreme Wärmeunterschiede zwischen Tag und Nacht. Zweitens durch das Spielen, insbesondere durch expressives Fortissimo-Spiel.
Ja. Denn der Grund, warum es noch ganz gut klingt, ist eben diese regelmäßige Stimmung. Auch wenn es für Sie noch ganz gut klingt, gibt es immer leichte Verstimmungen. Auch in solchen Fällen werden Sie den Unterschied vor und nach der Stimmung bemerken.
Der Kammerton A hat eine Frequenz von 440 Hertz (=Schwingungen pro Sekunde). Wenn man eine Stimmgabel anschlägt, hört man diese Tonhöhe. Diese Tonhöhe sollten Sie auch hören, wenn Sie das eingestrichene A Ihres Klavieres drücken (das eingestrichene A ist das A in der Mitte der Tastatur). Dieser Kammerton beruht auf einer weltweiten Übereinkunft der "internationalen Stimmtonkonferenz". Nur so ist gewährleistet, daß Klaviere die gleiche Tonhöhe wie z.B. ein Saxophon haben und somit auch miteinander musizieren können. Aus diesem Grund konstruieren alle Klavierbauer weltweit ihre Klaviere so, daß sie am besten klingen, wenn sie diese Tonhöhe haben.

Falls Ihr Klavier viel zu tief gestimmt sein sollte, kann es seinen Klang nicht voll entfalten. Um so ein Klavier wieder auf Kammerton A zu bringen, sind meistens zwei Stimmungen nötig, die im Abstand von vier bis sechs Wochen erfolgen sollten. Leider lassen sich manche Klaviere, die älter als ca. 70 Jahre sind, nicht mehr auf Kammerton A stimmen.
Je nach Verstimmung ca. 50 bis 90 Minuten. Schließlich hat ein Klavier ca. 230 Saiten.
Folgende Faktoren sollten Sie berücksichtigen: keine direkte Sonneneinstrahlung; wenn möglich keine Außenwand (obwohl dies bei der heutigen Bauweise der Häuser keine große Rolle mehr spielt); bei Fußbodenheizung: am besten dort, wo keine Heizspirale verläuft; möglichst weit weg vom nächsten Heizkörper oder Kamin; möglichst nicht im Durchzug, z.B. vor einer Terassentür.

Natürlich ist nicht jede Wohnung für Klaviere gebaut, so daß man Kompromisse eingehen muß. Generell gilt: optimal ist eine Luftfeuchtigkeit zwischen 45 und 70 % und eine Temperatur von 18 bis 22 Grad bei möglichst geringen Schwankungen.
Wenn, dann nur im Winter, wenn die Luft durch die Heizung wesentlich trockener ist als im Sommer.Es schadet nichts, aber es bringt auch nicht viel. Wesentlich effektiver sind sogenannte Luftbefeuchter von Hydroceel. Dies sind 1 Meter lange Stäbe mit speziellem Gewebe darin. Diese werden in der Dusche mit Wasser getränkt und in das Klavier gehängt. Dort geben sie die Feuchtigkeit ab und verhindern das Austrocknen und Reissen des Holzes.

Am besten ist es jedoch, wenn Sie den ganzen Raum im Winter befeuchten. Dazu empfehle ich Luftwäscher des Herstellers Venta.
Nicht unbedingt, solange der Resonanzboden nur wenige und dünne Risse hat. Vermutlich wird das Klavier ohne die Risse mal besser geklungen haben. Wenn Sie aber mit dem Klang zufrieden sind, besteht kein Grund zur Panik. Sollte der Resonanzboden aber über viele und dicke Risse verfügen, kann es passieren, daß die Stimmung nicht lange hält. In solchen Fällen ist eine Generalüberholung fällig, bei der u.a. auch der Resonanzboden ausgeflickt wird.
Oh ja! Sollte der Stimmstock (das Holz, in dem die Stimmwirbel stecken) gerissen sein, ist das Klavier unstimmbar und somit nutzlos. Aber durch eine Generalüberholung lässt es sich wieder zum Leben erwecken.
Ein Digitalpiano kann ein Klavier nicht ersetzen. Es ist lediglich ein Kompromiss. Zugegeben: der Klang und der Anschlag dieser Instrumente hat sich in den letzten Jahren erheblich verbessert. Aber er reicht noch lange nicht an das Original heran.

Hinzu kommt die Spielfreude, die man an einem echten Klavier entwickeln kann. Klavierlehrer berichten, dass Schüler, die ausschließlich auf einem Digitalpiano üben, die ersten sind, die das Klavierspielen wieder aufgeben.
Die Mechanik (Spielwerk) eines Klavieres besteht aus mehreren Tausend Einzelteilen. Sie stellt ein hochkomplexes und empfindliches System dar. Pro Taste gibt es zehn Stellschrauben und Regulierungsmöglichkeiten, die allesamt im Millimeterbereich liegen. Dabei ist es äußerst wichtig, daß alle Einzelteile präzise aufeinander abgestimmt sind. Nur so kann dieses komplexe System einwandfrei funktionieren.

Die einwandfreie Funktion der Mechanik wird durch die sogenannte Regulierung erreicht, vergleichbar etwa mit dem Einstellen der Ventile bei einem Auto oder dem Straffen der Kette bei einem Fahrrad. Durch den mechanischen Verschleiß während des Spielens verstellt sich die Regulierung im Laufe der Jahre zum Teil ganz erheblich. Die Folgen davon sind z.B. klemmende Tasten oder eine mangelhafte Repitition der gesamten Mechanik. Dabei handelt es sich in den seltensten Fällen um einen echten Defekt, sondern vielmehr um eine schlechte Regulierung. Oft läßt sich mit minimalen Aufwand die Spielart eines Klavieres durch eine neue Regulierung entscheidend verbessern.

Bei manchen alten Klavieren ist der mechanische Verschleiß jedoch so weit fortgeschritten, daß einzelne Filze oder Lederteile ausgewechselt werden müssen. Hier ist der Aufwand natürlich wesentlich größer.
Klavierbauer ist ein geschützter Begriff für den Ausbildungsberuf "Klavier und Cembalobauer". Die Lehre dauert dreieinhalb Jahre und umfasst u.a. das Klavierstimmen. Klavierstimmer hingegen darf sich jeder nennen. Die meisten Klavierstimmer ohne Gesellenbrief können durchaus Klaviere stimmen. Allerdings sind sie meist überfordert, sobald es um Regulierung, Wartung oder Reparatur geht.

Ich persönlich habe meine Ausbildung bei dem Meisterbetrieb Piano Sprenger in Oldenburg absolviert.
Meiner Meinung nach ist das linke Pedal bei Klavieren in erster Linie Marketing, auch wenn die Klavierhersteller in den Fabriken dies natürlich nicht gerne hören werden. Es ist dem linken Pedal bei Flügeln nachempfunden: beim Flügel verschiebt sich die ganze Mechanik bei getretenem Pedal so, daß anstatt drei Saiten nur noch zwei Saiten angeschlagen werden. Dies ändert den Klang zum Teil erheblich.

Bei Klavieren jedoch wird nur die Distanz zwischen der Ruheposition der Hämmer und den Saiten verkürzt. Theoretisch soll der Klang sich dadurch verändern (nicht aber leiser werden, wie viele Leute fälschlicherweise glauben). Die Praxis sieht jedoch anders aus: selbst ich habe auch bei teuren Klavieren Schwierigkeiten damit, einen Unterschied zu hören. Sie können also beruhigt sein: Ihr Klavier ist nicht kaputt und Sie sind auch nicht taub.
Um ehrlich zu sein, ist dies eine nicht wirklich häufig gestellte Frage. Aber Sie können mir das Leben durchaus einfacher machen:
- das Klavier sollte frei zugänglich und nicht vollgestellt sein.
- der Geräuschpegel sollte während der Arbeit möglichst gering sein.
- Sie sollten nicht erst einen Tag vor dem benötigten Termin anrufen.
- markieren Sie Tasten, die Probleme machen. So muß ich diese nicht erst lange suchen.
übrigens: ich trinke Kaffee am liebsten mit Milch und schön heiß
Entweder 85 oder 88. Bei 85 Tasten reicht der Tonumfang von A bis A (tiefster Ton: subkontra A; hochster Ton: viergestrichenes A). In diesem Falle sind es 50 weiße Tasten und 35 schwarze Tasten.

Bei 88 Tasten reicht der Tonumfang von A bis C (tiefster Ton: subkontra A; höchster Ton: fünfgestrichenes C). In diesem Falle sind es 52 weiße Tasten und 36 schwarze Tasten.
Ich würde es nicht tun. Warum, das erfahren Sie ausführlich hier. Die Kurzversion: Sie kaufen doch auch kein Auto ohne Probefahrt.
Das würd ich erst recht und schon gar nicht und niemals nie ganz bestimmt nicht tun. Warum, das erfahren Sie hier.
Nein, zum Glück nicht. Ich höre zwar das Gras wachsen, aber das auch nur, weil ich eine Ausbildung zum Klavierbauer absolviert habe und nicht aus medizinischen Gründen. Die Fähigkeit, Klaviere zu stimmen, ist nicht angeboren sondern eine Frage der Übung. Ein absolutes Gehör ist sogar hinderlich beim Klavierstimmen. Was ist denn ein absolutes Gehör? Lediglich die Fähigkeit, ohne Vergleichston die absolute Tonhöhe einer Note zu erkennen.

Wenn also jemand auf dem Klavier das C anschlägt, Sie das aber nicht sehen können und auch keinen Vergleichston haben, dann könnten Sie mit absolutem Gehör sagen, dass es das C ist. Oder draußen quietschen die Reifen eines Autos. Leute mit absolutem Gehör könnten Ihnen dann sagen, dass es auf F gequietscht hat, sofern Sie das interessiert. Hinderlich wäre das beim Stimmen, weil nicht alle Klaviere auf den Kammerton A stimmbar sind. Wenn man nun als Stimmer ein Klavier tiefer stimmen muss, dann würde es unglaublich stören, wenn man die absolute Tonhöhe zwar im Kopf hat, diese aber nicht realisieren kann. Hinzu kommt, dass jedes Klavier anders ist und nicht die absolute Tonhöhe entscheidend ist, sondern die Relation zu den anderen Tasten.

Es gibt Klaviere, bei denen man z.B. die Oktaven nicht rein stimmen sollte, sondern etwas höher. Dann klingen die Oktaven in dem Klavier gut, aber jemand mit absolutem Gehör würde das anders empfinden. Die Kunst beim Stimmen besteht darin, nur das eingestrichene A, den Kammerton, genau auf 440 Hertz zu stimmen und alle anderen Tasten dann in Relation zu diesem A zu stimmen. Dabei ist entscheidend, dass sich die Intervalle gut anhören, also die Verhältnisse der einzelnen Töne zueinander. Nicht so entscheidend hingegen sind die absoluten Tonhöhen, die man als Mensch mit absolutem Gehör im Kopf hat.
Häufig hört man, dass Musikinstrumente erst einmal gut eingepielt werden müssten, damit sie ihren Klang voll entfalten. Alte und viel gespielte Instrumente seien also klanglich besser als neue. Allerdings konnte das in empirischen Untersuchungen nicht nachgewiesen werden. Insbesondere bei Klavieren kommt hinzu, dass es klanglich relevante Verschleißteile (z.B. Hammerköpfe aus Filz) gibt. Dadurch verändert sich der Klang durch intensives Spielen durchaus, aber nicht unbedingt zum positiven.
Mein Doktortitel hat rein gar nichts mit Klavieren zu tun. Allerdings bin ich nicht nur Klavierbauer, sondern auch Diplom-Psychologe. Und als solcher habe ich promoviert und somit einen akademischen Doktortitel erworben.

Als Klavierbauer könnte man normalerweise wie in jedem Handwerksberuf einen Meisterbrief erwerben. Aber was ist schon normal?